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Ein Renaissanceschloss mit europäischen Vorbildern

Schloss Horst in Gelsenkirchen


Ein humanistisch gebildeter Mann aus niederrheinischem Adelsgeschlecht, Rütger von der Horst, beauftragte den Stadtbaumeister aus dem niederländischen Arnheim, Arnt Johannsen toe Boecop, für ihn in der Freiheit Horst ein Schloss zu bauen. Nachdem seine Familienburg abgebrannt war, wollte er einen repräsentativen Neubau nach europäischen Vorbildern. Rütger hatte seine Kavalierstour nach Frankreich unternommen und im Dienste des kölnischen Kurfürsten an zahlreichen diplomatischen Missionen teilgenommen, bei denen er viele moderne Schlossbauten gesehen hatte. So lässt Schloss Horst an zahlreichen Stellen erkennen, wie hier architektonische und baukünstlerische Vorbilder aus anderen Ländern übernommen und nachgeahmt wurden.

Angelehnt an französische Vorbilder wie das wenige Jahre zuvor begonnene Château d'Ancy-le-Franc ließ Rütger von der Horst 1556–78 eine geschlossene Vierflügelanlage mit quadratischem Grundriss und Eckpavillons errichten. Die Innenräume wurden wie beim römischen Palazzo della Cancelleria durch hofseitige Galeriegänge erschlossen, die aber – anders als in Italien – wegen der rauen klimatischen Bedingungen mit großen bleiverglasten Fenstern geschlossen werden mussten. Auch bei der Fassadengestaltung hielt man sich an den antiken Säulenkanon, der damals in gedruckten italienischen Architekturtraktaten verbreitet wurde. Ganz neuartig für die damalige Baukunst in der Region war auch ein repräsentatives zentrales Treppenhaus in niederländischer Art. Zudem wurden aus dem niederländischen Manierismus eigenwillige Gestaltungsformen und Bauornamentik übertragen. Prachtstücke der Innenausstattung sind die reich gestalteten Bildkamine mit mythologischen Bildthemen, die auf bekannte zeitgenössische Druck-Vorlagen der florentinischen und römischen Renaissance zurückgehen.

Auch wenn große Teile bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfallen waren und abgebrochen wurden, ist Schloss Horst bis heute eines der bedeutendsten Renaissanceschlösser in Nordwestdeutschland. Mit der konsequenten Übernahme von Bauformen und Bilderwelten aus Frankreich, Italien und den Niederlanden, ist es ein besonders anschauliches Beispiel für das grenzüberschreitende kulturelle Erbe, das wir gemeinsam mit anderen teilen. (Autorin: Gabriela Ussat)