Zurück zur Denkmalübersicht >>

British Style am Teutoburger Wald

Die Ravensberger Spinnerei in Bielefeld


Alles, was Rang und Namen hatte, war erschienen. Ganz Bielefeld war auf den Beinen – eine Fabrik wurde eröffnet. Was heute banal klingt, kam 1857 einem Jahrhundertereignis gleich. Denn es war nicht nur die erste Fabrik der Stadt am Teutoburger Wald, sondern eine Premiere in der ganzen weiten Gegend.

Jahrhundertelang hatten die Menschen zu Hause am Spinnrad gesessen und von Hand die Fasern der Flachspflanze zu Garn versponnen. Daraus wurde anschließend das Leinen gewebt, für das die Region bekannt war. Aber jetzt: Maschinen lösten die Handarbeit ab. Aufgestellt in großen Sälen mit über vier Metern Deckenhöhe, angetrieben von einer Dampfmaschine, spannen sie das Garn in rasender Geschwindigkeit und unschlagbarer Qualität. Bielefeld war in eine neue Epoche aufgebrochen – das Zeitalter der Industrie hatte begonnen.

Mit der Technik aus England

Die Leinenhändler am Ort hatten mit Ferdinand Kaselowsky den fähigsten Experten für Spinnereitechnik engagiert, den sie kriegen konnten. Und der wusste genau, wo es die modernsten Maschinen gab: in England. Sie hatten ihre Leistungsfähigkeit auch schon in Flandern bewiesen. Nach englischem Vorbild entstand die ganze Fabrik. Noch heute sieht sie aus wie ein Schloss aus irgendeiner Grafschaft in Mittelengland.

Der Erfolg blieb nicht aus. Bald verarbeiteten die Bielefelder auch Flachs aus Belgien, Holland und Russland. Nach wenigen Jahren schon ging die nächste Fabrik an den Start, eine mechanische Weberei. Feines Bielefelder Leinen machte richtig Karriere – dank der Technik aus England.