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  • Foto: Luftbild der Radrennbahn Bielefeld, 2017 (c) Jan Witthus

  • Foto: Internationaler Steher-Cup, 2015 (c) Andreas Hildebrandt, Förderverein Radrennbahn Bielefeld e. V.

  • Foto: Hugo Koblet vor dem Start um 1955 (c) Siegbert Schmidt, Förderverein Radrennbahn Bielefeld e. V.

Das Meisterwerk aus Spannbeton

Die Bielefelder Radrennbahn von 1953


Der Architekt hieß Clemens Schürmann. Der Meister seines Fachs gab sich mit langweiligen Dingen wie Häusern nicht ab. Radrennbahnen: das war seine Welt. 1934 hatte er in Mailand die Vigorelli-Bahn gebaut, zwei Jahre später die Olympia-Bahn in Berlin. 39 Rennbahnen hatte er schon fertig gestellt, da machte er sich 1951 in Bielefeld ans Werk. An sein Meisterwerk.

46 Grad Kurvenneigung erhielt das Oval. Das ist richtig steil. Stählerne Spannstäbe hielten die ganze Runde stabil in Form, so dass eine ziemlich dünne Betondecke in einem Guss aufgebracht werden konnte. Keine Fertigteile – keine Fugen. Und keine Risse, wie sich zeigte. Die Bahn war schnell, sehr schnell – der Traum aller Radrennfahrer. Clemens Schürmanns geniale Idee machte den Traum wahr.

Hier kriegen Europas Spitzenfahrer die Kurve

Sofort zog das modernste Radstadion Deutschlands die Rennfahrer Europas an den Teutoburger Wald. Im Mai 1955 stellte hier Reginald Harris, mehrfacher Weltmeister aus England, einen neuen Sprintrekord über 200 Meter auf. 11,8 Sekunden war seine Zeit, 61 km/h erreichte er dabei. International besetzte Steherrennen und Ländervergleichskämpfe standen jährlich auf dem Programm. Meisterfahrer aus der Schweiz und den Benelux-Ländern traten hier gegeneinander an.

Die glatte Bahn mit den steilen Kurven lockte Fahrer aus Russland, Tschechien und Italien an. Ein olympisches Komitee, verantwortlich für den Bau des Velodroms in Rom, studierte die Bielefelder Bahn. Bis heute findet hier jährlich ein internationaler Stehercup statt. Fahrer aus den Niederlanden, Tschechien, Frankreich und der Schweiz sind immer dabei. Wegen einer Rennbahn kommt Europa zu Besuch nach Bielefeld - in die Stadt, die es wohl doch gibt.